Bericht - Workshop "Sustainability and Decision Making"

27.02.2015
  Workshop Teilnehmer Urheberrecht: EME

Am 25. und 26. Februar 2015 fand auf Einladung der Research Area EME der diesjährige Workshop der GOR-Arbeitsgruppe „OR im Umweltschutz“ an der RWTH Aachen University statt. Über 40 Teilnehmer aus insgesamt fünf Ländern haben an den beiden Tagen insgesamt 11 Vorträge und eine Guided Debate aktiv verfolgt und diskutiert. Dabei hat sich gezeigt, dass das gesellschaftlich relevante Workshopthema sehr facettenreich ist und in diesem Bereich noch großer Forschungsbedarf besteht.

Der Vortrag „Definition and Methodical Aspects of Ultra-long Investments“ von Robert Böhm (RWTH Aachen University) hat eine Einführung in das Tagungsthema gegeben und zugleich die langfristige Bedeutung von Investitionsentscheidungen für unsere Gesellschaft aufgezeigt. Diese Bedeutung geht häufig weit über den Planungshorizont der Entscheidungsträger hinaus.

Auf der strategischen Ebene waren auch die Beiträge von Dina El-Bassiouny (German University in Cairo) „Political Instability and Corporate Social Responsibility: The Case of Egypt“ und „Disposability in Environmental Performance Analysis: A review of bads in DEA literature“ des Aachener Autorenteams Victoria Wojcik, Harald Dyckhoff, Sebstian Gutgesell und Mark Müser angelegt. Während der Beitrag von El-Bassiouny das nachhaltigkeitsbezogene Verhalten von ägyptischen Firmen als Reaktion auf die politischen Umwälzungen des arabischen Frühlings empirisch untersucht hat, haben Wojcik et al. sich mit der in der Produktionstheorie üblichen Annahme der „Free Disposibility“ beschäftigt. Anhand der Analyse von Übeln auf der Input- und Outputseite haben sie Defizite bestehender DEA-Modelle aufgezeigt.

Gleich drei Vorträge haben sich Mobilitätsthemen zugewandt. Die Vorträge „Optimizing the Allocation of Fast Charging Infrastructure for Electric Vehicles along the German Autobahn“ (Carsten Brendel, Patrick Jochem, Melanie Reuter-Oppermann, Wolf Fichtner & Stefan Nickel, alle Karlsruhe Institute of Technology), „Electric Vehicles, the Solution for Every Urban System? A Comparative Analysis of Spatial and Policy Settings for Electric Vehicles' Diffusion“ (Stefanie Regina Wolff, RWTH Aachen University) und „New Pricing Models for Charging Electric Vehicles in Semi-public Locations“ (Peter Letmathe, Ilhana Mulic & Ramajothi Ramsundar, alle RWTH Aachen University) zeigen die große Bedeutung der Elektromobilität in der Forschung auf. Die einzelnen Beiträge haben dabei völlig unterschiedliche Glieder der Wertschöpfungskette elektromobiler Leistungen analysiert und erhebliches Verbesserungspotenzial bestehender Geschäftsmodelle aufgezeigt.

Ein weiteres großes Thema in der aktuellen Umweltdiskussion ist die Energiewende und die massive Erhöhung des Anteils erneuerbarer Energien. Die Vorträge „Impact of different supporting measures for renewable electricity production on transmission grid expansion“ (Christoph Nolden, Valentin Bertsch, Viktor Slednev & Wolf Fichtner , alle Karlsruhe Institute of Technology), „Strategic Network Planning for the Recycling of PV Panels considering Resource Price Uncertainties“ (Eva Degel, Grit Walther, RWTH Aachen University) sowie „“Environmental Strategy Focus” and “Environmental Performance” in the case of European companies incorporated in the EU ETS“ (Albert Czerny, RWTH Aachen University) haben verdeutlicht, dass die Energiewende von infrastrukturellen Maßnahmen, technologischen Entwicklungen und ökonomischen Anreizen getragen werden muss.

Der letzten Block der Vorträge hat Fragen der Ressourcenökonomie fokussiert. Im Vortrag „Modeling Profitability of Metal Mining Investments as Dynamic Techno-Economic Systems“ hat Jyrki Savolainen (Lappeenranta University of Technology, Finland) Aspekte der Erschließung von Rohstoffquellen beleuchtet. Anna Diener, Karsten Kieckhäfer & Thomas Spengler (TU Braunschweig) haben sich in ihrem Beitrag „A Material Flow-based Approach for the Economic Assessment of Landfill Mining Projects“ dagegen der Wiedergewinnung von Ressourcen aus Abfalldeponien gewidmet.

Bei vielen Diskussionen, der Stadtbesichtigung und dem Workshopdinner am Elisenbrunnen fand ein reger Austausch zwischen den Teilnehmern statt. Zudem wurde in der abschließenden Guided Debate eine Forschungsagenda erarbeitet, die relevante Themen für die Untersuchung von ultralanglebigen Investitionen im Nachhaltigkeitskontext erlaubt. Hier gibt es noch großen Forschungsbedarf, um die damit verbundenen ökonomischen, sozialen und ökologischen Fragen angemessen adressieren zu können.

(dieser Beitrag ist eine Kurzfassung des von Prof. Dr. Peter Letmathe, RWTH Aachen University, verfassten Berichts für OR News, 07/2015)