Person

Patrick Reiter

M. Sc. RWTH
Patrick Reiter
Lehr- und Forschungsgebiet Wirtschafts-, Sozial- und Technologiegeschichte

Adresse

Raum: B 316

Kackertstraße 7

52072 Aachen

Kontakt

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Telefon: +49 241 80 94384
Fax: +49 241 80 92330

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n.V.
 

Persönliche Daten

Patrick Reiter absolvierte sein Studium in Business Administration an der RWTH Aachen mit dem Schwerpunkt Energy, Mobility & Environment.

Seit 2016 ist Patrick Reiter wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehr- und Forschungsgebiet Wirtschafts-, Sozial- und Technologiegeschichte. Zu seinen Aufgaben gehört die Betreuung eines durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft geförderten Projektes im Schwerpunktprogramm „Erfahrung und Erwartung: historische Grundlagen ökonomischen Handelns" mit dem Fokus strategisches Management von Energie-Konzernen.

 

DFG-Projekt

Past Energy Futures. Energy Projections and Decision-Making in the Electricity Sector since 1945

Förderung im Rahmen des DFG-Schwerpunktprogramms 1859 "Erfahrung und Erwartung. Historische Grundlagen ökonomischen Handelns"

Annahmen über technologische Entwicklungspfade sind ein wichtiges Element der Erwartungsbildung. Fallstudien zum Umgang mit Technologieentscheidungen bieten deshalb die Chance, sich wandelnde Mechanismen ökonomischen Handelns in den Blick zu nehmen. Das gilt insbesondere für den Bereich der Energieversorgung. Prognosen sind hier zu einer wichtigen Grundlage politischer und wirtschaftlicher Planung geworden. Für die Elektrizitätserzeugung ist eine langfristige Planung unverzichtbar, um das komplexe System von Kraftwerken, Verteilungsnetzen und Nutzungstechniken aufrecht zu erhalten.

Der Blick in die Vergangenheit, um zukünftige Entwicklungen mit wissenschaftlichen Methoden vorherzusagen, verknüpft Elemente der adaptiven und rationalen Erwartungsbildung. Das Projekt fragt hier für die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts, wie Mechanismen der Erwartungsbildung die Entscheidungs- und Planungsprozesse im Energiesektor geprägt (und verzerrt) haben.

Energieprognosen sind dabei nicht nur das Resultat von Aushandlungsprozessen, sondern bedürfen auch der kulturellen Aneignung und Interpretation. Ein systematisches Verständnis ihrer Rolle ermöglicht es, Entscheidungsprozesse besser zu beurteilen und Wechselbeziehungen genauer zu fassen. Hierfür bieten unzählige Energiestudien, Diskussionen in Wissenschaft und Öffentlichkeit, Zeitzeugeninterviews und eine Vielzahl unterschiedlicher Archivbestände eine geeignete Basis. Zentral ist dabei aus historischer Perspektive, inwiefern Prognosen und die daran festgemachten Diskurse Teil einer neuen Reflexivität wirtschaftlichen Handelns sind.

Für die Wirtschaftswissenschaften können historische Fallstudien als Test und Ergänzung für theoretische Überlegungen dienen. Gleichzeitig ermöglicht es eine historische Analyse, aktuelle Möglichkeiten der Prognose in der Energieforschung kritisch zu reflektieren. Wechselnde Formen und Funktionen von Prognosen verdeutlichen, dass Erwartungen auf spezifischen soziokulturellen Kontexten aufbauen.

Das Projekt bildet diese Heterogenität dadurch ab, dass Prognosen sowohl aus der Sicht der Wissenschaft- und Technikgeschichte, aus einer Unternehmens- und Managementperspektive und vom Standpunkt der Modellbildung heraus betrachtet werden. In einem ersten Teil wird die Geschichte der Energieprognosen als Prozess der Verwissenschaftlichung untersucht. Das zweite Teilprojekt dient dazu, die Rolle von Prognosen in Entscheidungsprozessen anhand konkreter Praktiken in Unternehmen zu bestimmen. Fallstudien zu Energieversorgern aus drei Ländern sollen Interdependenzen zwischen materiellen Voraussetzungen, institutionellen Rahmenbedingungen und kulturellen Präferenzen aufzeigen. Schließlich wird ein dritter Teil Leerstellen und Fehler historischer Energieprognosen untersuchen. Indem Möglichkeiten diskutiert werden, wie historisches Wissen in die Konzeption von Prognosen integriert werden kann, wird dabei auch nach Wegen gesucht, die Ergebnisse des Gesamtprojekts für die Praxis nutzbar zu machen.