Forschungsschwerpunkte

 

Lehrstuhl für Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie

In unserer Forschung verfolgen wir zwei thematische Schwerpunkte. Im ersten und größten Schwerpunkt unserer Forschung beschäftigen wir uns mit der Frage, wie und in welchem Umfang Menschen in der Lage sind, Aussagen über die eigenen geistig-mentalen Vorgänge und Inhalte (Gedanken, Meinungen, Einstellungen usw.) zu machen. Uns geht es also um die neuronalen, psychologischen und sozialen Aspekte der Metakognition bzw. metakognitiver Prozesse. Hiermit sind jene geistigen Prozesse gemeint, mit denen wir „Wissen über das eigene Wissen“ gewinnen.

Metakognitive Prozesse sind für zielgerichtetes Handeln von großer Bedeutung, weil wir mit ihrer Hilfe unsere Denkprozesse planen, überwachen und reflektieren. Dadurch sind wir in der Lage unser Verhalten zu steuern und optimal an Rahmenbedingungen (Situationen, eigene Fähigkeiten etc.) anzupassen. Ein wichtiger metakognitiver Prozess stellt die Fähigkeit zur Selbstbeobachtung („Monitoring“) dar, weil wir hierdurch kontinuierlich unser Verhalten beobachten und im Hinblick auf unsere Ziele bewerten können. Anhand der aus der Selbstbeobachtung gewonnenen Informationen können wird dann unser Verhalten im Hinblick auf unsere Ziele verändern.

Im Rahmen unserer Forschung möchten wir insbesondere untersuchen und verstehen, warum Menschen nach Hirnschädigungen oder mit bestimmten psychischen Störungen (z.B. Alkoholabhängigkeit, Depression, Suizidalität, Manie, Schizophrenie) nicht mehr wahrnehmen, dass sie in ihrem Erleben und Verhalten beeinträchtigt sind. Darüber hinaus interessiert uns, warum extreme emotionale Zustände, dazu führen können, dass Patienten offensichtliche Sachverhalte (z.B. eine schwerwiegende Diagnose, eine ernste Erkrankung) abstreiten oder bagatellisieren.

Unser zweiter Forschungsschwerpunkt „Outcome & Evaluation“ hat zum Ziel, durch Neukonstruktion und Weiterentwicklung von Messinstrumenten zur Erfassung subjektiver Urteile und Entscheidungen die medizinische und psychologische Diagnostik sowie die Evaluation medizinischer und psychotherapeutischer Behandlungsmaßnahmen zu verbessern. Dazu werden neue statistische Auswertungsmethoden angewendet, wie bspw. die Rasch-Analyse und das computer-adaptive Testen. Hierdurch wird die Messgenauigkeit und klinische Praktikabilität der Messinstrumente verbessert. Durch das Open-Access Testportal „Psychometrikon“ (www.psychometrikon.de) stellen wir fundierte und evaluierte Testverfahren für diagnostische Zwecke kostenfrei zur Verfügung.

Zur Beantwortung der Forschungsfragen kommen ganz unterschiedliche Studiendesigns zum Einsatz. Sie reichen von Fragebogenstudien bis zu experimentalpsychologischen Untersuchungen mit Einsatz von bildgebenden Verfahren (insb. funktionelle Kernspintomographie) oder von Methoden zur Hirnstimulation (z.B. Transkranielle Magnetstimulation).